Es gibt Bars, in die man geht, um normal zu sein. Die Sonderbar ist nicht so eine Bar.
Das erste, was man beim Betreten bemerkt: Die Stühle stimmen nicht überein. Kein einziger. Manche sind Barock, manche aus den 50ern, manche offensichtlich aus verschiedenen Sets zusammengestückelt. Das zweite: Die Musik springt alle drei Minuten das Genre. Das dritte: Man fühlt sich sofort wohl.
Die Sonderbar in Leipzig-Connewitz hat eine Stammkundschaft, die ihre Sonderbarkeit wie eine Auszeichnung trägt. Hier trifft man Leute, die Briefmarken sammeln und Gedichte über Regenwürmer schreiben. Hier trifft man auch Leute, die aussehen wie alle anderen — aber innerlich wissen, dass sie das nicht sind.
Der Barkeeper Odd (kein Spitzname) sagt: »Sonderbar zu sein ist die einzige Normalität, die ich kenne.«