Es gibt Bars, die einen aufbauen wollen. Mit Motivationszitaten an den Wänden, mit aufmunternden Barkeepern, mit Drinks, die »Energy« im Namen tragen. Die Abbaubar ist das Gegenteil davon — und das ist das Schönste an ihr.
Die Einrichtung folgt dem Prinzip des kontrollierten Zerfalls: Kronleuchter, deren Birnen nach und nach ausfallen. Stühle, die leicht wackeln — aber nur leicht genug, um es noch gemütlich zu nennen. An der Wand hängt ein Bild, das jemand offensichtlich halbfertig gemalt und dann aufgehört hat.
Der Barkeeper Gottfried fragt beim ersten Besuch immer: »Was möchten Sie heute abbauen?« Manche antworten: den Stress. Manche: die Erwartungen. Einmal kam jemand und sagte: »Meinen inneren Schweinehund.« Gottfried nickte, mixte schweigend und stellte das Glas so hin, dass der Schweinehund nicht mehr rankonnte.
Die Abbaubar schließt immer dann, wenn der letzte Gast fertig abgebaut hat. Manchmal ist das um elf, manchmal um vier. Einmal war es acht Uhr morgens.